Stärkenanalyse für Mentees

Die Weitergabe von Erfahrungswissen an die Mentees steht beim Mentoring im Vordergrund. Doch tauchen oft auch Themen und Fragen auf, die eigentlich eher im Coaching geklärt werden. Wollen Sie als Mentor*in hier nicht einfach an einen Coach verweisen, sondern ihre Mentee gerne bei dieser Selbstklärung unterstützen, können Sie ein Verfahren nutzen, dass ich Ihnen hier vorstelle. Unter Stärken verstehe ich den Dreiklang aus Kompetenzen, die erworben wurden, angeborenen Talenten und inneren Ressourcen, die in der Persönlichkeit liegen, wie Optimismus, Empathie und Entschlussfreude.

Fragt man jemanden direkt nach seinen Stärken, fällt es den Menschen oft schwer, diese zu benennen, daher wird eine Annäherung über Umwege mehr zu Tage fördern. Sie können den Lebenslauf der Mentee nutzen oder auch ohne schriftliche Vorlage die Mentee bitten, die drei für sie wichtigsten Stationen oder Aspekte aus dem Lebenslauf zu benennen. Alternative Fragen können sein: Was waren deine größten Erfolge im Leben? Welche Schwierigkeiten musstest du überwinden? Wenn die Mentee nun beginnt, diese zu beschreiben, fragen Sie nach, was sie dabei gelernt hat und wie es ihr gelungen ist, diese Situationen zu meistern - und schon sind Sie bei den Stärken der Mentee, die Sie gemeinsam sammeln können. Lassen Sie der Mentee Zeit, kitzeln Sie mehr heraus durch die Frage "Was noch?" Viele Stärken, die im Job relevant sein können, werden auch im Studium und in Hobbys sichtbar. Perspektivwechsel sind ein weiteres gutes Mittel, die der Mentee ihre Stärken verdeutlichen können: "Wie würde ein wohlwollender Begleiter deine Stärken beschreiben? Was würde deine beste Freundin sagen, was du gut kannst?"

Weitere Fragen, die Talente und Ressourcen erschließen, zielen darauf ab, was der Mentee leicht fällt, woraus sie Energie bezieht, was sie erfüllt. Hier nähern wir uns der so genannten Kernkompetenz der Mentee, da in diesem Bereich viel positive Energie und ihr größtes Potential liegen. In der Kernkompetenz verbinden sich Fähigkeiten, Wissen und Erfahrungen mit Talenten und Ressourcen, die nicht nur erlernt wurden, sondern in der Person verankert sind. 

Neben den klassischen Kompetenzen im personalen und sozialen Bereich sowie fach- und mehodenbezogen wird oft die Feldkompetenz vergessen: Wo hat die Mentee Praktika gemacht oder erste Berufserfahrungen gesammelt, z.B. in internationalen Organisationen, der Industrie, der Kreativwirtschaft? Hier besitzt sie eine erste Feldkompetenz, also ein spezifisches Erfahrungswissen über Arbeitsfelder und Arbeitskultur in diesen Bereichen.

Sicher ist: Ihrer Mentee machen Sie mit Ihrer Unterstützung bei der Erstellung dieses Stärkenprofils ein großes Geschenk. Denn es fällt Studierenden und Berufseinsteiger*innen oft schwer, die eigenen Stärken zu erkennen.