Innere und äußere Karriere

Das primäre Berufsziel, Karriere zu machen, gibt es noch, doch differenziert es sich immer weiter aus. Für manche bedeutet es schlicht, die Karriereleiter hochzusteigen und eine Führungsposition im höheren Management zu erreichen. Dieses Karriereverständnis orientiert sich stark an der äußeren Karriere, die ablesbar ist an den Funktionen, die man einnimmt. Menschen, deren wichtigster Werteanker im Berufsleben die Führungsverantwortung, das Leiten und Steuern ist, erlangen mit der Führungsposition auch berufliche Zufriedenheit. Kommt der Anspruch, in diesem Sinne Karriere zu machen, jedoch eher von außen und entspricht nicht dem inneren Selbstkonzept der Person, wird sie äußerlich beruflich erfolgreich, innerlich jedoch unzufrieden und nicht erfüllt sein.

Der Organisationspsychologe Edgar Schein unterschiedet daher zwischen äußerer und innerer Karriere. Die äußere Karriere sind die durch Professionen, Unternehmen oder Verwaltungslaufbahnen vorgezeichneten Karrierepfade. Die innere Karriere hingegen ist der Einklang des Selbstkonzepts und der Werte der Menschen mit der Arbeit, die sie tun. So wird auch beruflicher Erfolg von den Einzelnen ganz unterschiedlich definiert: Erfolg bemisst sich nicht zwingend an Position und Gehalt, sondern kann auch primär bedeuten, die Werte, denen man persönlich verpflichtet ist, im Beruf zu leben. Für manche bedeutet es, Fachkompetenz aufzubauen und nutzbringend einzusetzen. Für einige, selbstbestimmt und den eigenen Interessen folgend zu arbeiten. Für andere hat höchste Priorität, ein sicheres, stabiles Einkommen beziehen. Die innere Karriere bedeutet also für jeden Menschen genauso wie seine Definition von beruflichem Erfolg etwas anderes.

Was hat das nun mit Mentoring zu tun? Wenn das Mentoring sich auf die berufliche Entwicklung des Mentees bezieht, sollte Raum sein für die Überlegung: Was möchten die Mentees beruflich erreichen? Was wird sie glücklich machen? Welche Werte verfolgen sie im Berufsleben? Erst damit ist der Grundstein für die äußere Karriereplanung gelegt. Zeitliche Perspektivwechsel können helfen, Antworten auf diese Fragen zu finden: Neben dem klassischen "Wo siehst du dich in zehn Jahren beruflich?" gefällt mir persönlich sehr gut: "Wenn du im Rentenalter auf dein erfülltes Berufsleben zurückblickst, welche Bilder siehst du?"

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